Nachhaltige Bildung in Gambia

Nachhaltige Bildung in Gambia

Das Projekt

Ziel:

Verbesserung der Qualität des Unterrichts und der Kommunikationsfähigkeit der Sukuta Lower Basic School (SLBS) in Sukuta/Gambia/West-Afrika

Hintergrund

Seit 2015 gibt es einen Kontakt zwischen der Grundschule Cirksena, Emden (GSCE) über den Lehrer Jörg Nagels und der Suta Lower Basic School (SLBS), Gambia. Der Kontakt basiert auf einer persönlichen Initiative von Jörg Nagels. Er hat die SLBS bisher zweimal auf eigene Kosten besucht und persönliche Kontakte zu einzelnen Lehrern dort hergestellt. An der GSCE hat Herr Nagels einige Initiativen mit den hiesigen Grundschülern entwickelt („So kleiden sich die Kinder in Deutschland“, „Jahreszeiten in Deutschland“, …), um einen kulturellen Austausch zu initiieren. 

An der SLBS existiert ein Computerraum, über den ein Informationsaustausch zwischen Schülern und Lehrern möglich wäre. Mangels Stromversorgung und Internetzugang ist die Funktion aber nur sehr bedingt möglich. Die Kommunikation erfolgt derzeit lediglich über WhatsApp zwischen einzelnen Lehrern.

Zielsetzung

Durch Aufbau einer eigenen Stromversorgung für den Computerpool durch Photovoltaik und Batterien soll die Kommunikationsfähigkeit hergestellt werden. Damit kann die Qualität der Lehre und die Motivation der Lehrer generell verbessert werden.

Work From Home Video Call

Umfeld

Gambia ist eines der kleinsten Länder Afrikas und wird vom Gambia-Fluss durchzogen. Die Einwohnerzahl wird auf ca. 2,2 Millionen geschätzt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt ca. 17 Jahre. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre liegt bei 45%. Gambia wird von den UN zu den 20 ärmsten Ländern der Welt gezählt.

Die Bevölkerung lebt hauptsächlich von Fischfang, Landwirtschaft und Tourismus. Die Arbeitslosigkeit aber, gerade auch die Jugend-Arbeitslosigkeit ist hoch. Insgesamt gibt es wenige gut bezahlte Jobs, was viele junge Männer davon überzeugt, dass es sich lohnt, den langen gefährlichen Weg nach Europa zu wagen.  Gambia stellt das drittgrößte Kontingent an Flüchtlingen aus Afrika in Deutschland.  

Nach der geglückten Absetzung des autokratisch regierenden Präsidenten Jammeh im letzten Jahr ist die politische Situation im Land stabil und die Hoffnung steigt, dass es einen wirtschaftlichen Aufschwung geben wird. Jede zukunftsträchtige, an Nachhaltigkeit orientierte Investition scheint im Moment dazu geeignet, Fluchtursachen bekämpfen zu können. Ein Hindernis für eine langfristige positive Entwicklung des Landes stellt das Analphabetentum von ca. 60 % dar.

Schule

Innenhof der Sukuta Lower Basic School

Die Sukuta Lower Basic School (SLBS) ist eine staatliche Schule für die Klassen 1-6 in der Stadt Sukuta (ca. 50000 Einwohner, mit Außenbezirken ca. 80000 Einwohner / West Coach Region), ungefähr 18 km von der Hauptstadt Banjul an der Atlantikküste entfernt (Abb.1).

Die stark anwachsende Bevölkerung spiegelt sich auch in der Schule wieder, die kaum alle Kinder beschulen kann. Insgesamt sind es fast 3000 Kinder (aus der Stadt und den Außenbezirken bis max. 3-5 km Entfernung), die in zwei Abschnitten, d.h. morgens (erste, dritte und fünfte Klassen) bzw. nachmittags (zweite, vierte und sechste Klassen) Unterricht haben. Trotzdem sind oft mehr als 50 Kinder in einem meist dunklen Klassenraum, der nicht das Nötigste bietet. 

Selbst die Dächer sind beschädigt und lassen in der Regenzeit des Öfteren keinen Unterricht zu. Lehrmaterialien gibt es wenige, den SchülerInnen fehlen oft Stifte und Hefte. Lehrsprache ist aufgrund der Anlehnung ans britische Schulsystem Englisch. In den Familien werden aber westafrikanische Sprachen gesprochen, in Sukuta hauptsächlich `Mandinka´.

Schule

Viele Kinder kommen meistens in die SLBS, ohne eine Vorschule besucht zu haben. Ihre Einschulung kann sich auch wegen fehlender finanzieller Reserven der Familien verzögern. So ist es keine Seltenheit, 12-jährige in der vierten Klasse anzutreffen. Auch Unterbrechungen des Schulbesuchs sind häufig. Trotzdem ist die Motivation bei vielen Jungen und Mädchen groß, über `Schule´ für eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien zu sorgen. 

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Typischer Klassenraum

Computerraum

Computerraum der Sukuta Lower Basic School (Stand: April 2019)

Der Computerraum der Schule (Abb. Links) ist durch verschiedene Schenkungen wenn auch älterer Computermodelle das Juwel der Schule und bietet die Möglichkeit, Grundkurse in Informatik anzubieten, Unterrichtsinhalte anders darzustellen und die mehr als 70 LehrerInnen, die zwischen 45 und 100 Euro pro Monat verdienen, fortzubilden. Außerdem kann er bei vorhandenem Internetanschluss der Öffnung zur Welt dienen und die Kommunikationsfähigkeit verbessern. Der engagierte Verantwortliche des Computerraums Mr. Daffeh und der junge Leiter des English-Clubs der Schule Mr. Keita sind sehr interessiert daran, neue Kontakte zu knüpfen und ihre Arbeit auch über die Grenzen hinweg zu teilen.

 

Jedoch fehlt es an einer konstanten Energieversorgung in der Stadt und der Schule selbst. Ist genügend Strom vorhanden und das Netz nicht durch Defekte unterbrochen, hat die SLBS die Möglichkeit, Strom zu kaufen, wenn die Schule eigene Finanzmittel einsetzt – sie bekommt ca. 2 Euro pro Kind und Schuljahr für alle (!) Ausgaben-, die aber in den letzten Jahren praktisch nie existierten. Ende letzten Jahres wurde ein neuer Schulleiter eingesetzt, um die Entwicklung der Schule voranzutreiben.

 

Kürzlich wurden über die Stiftung von MRC-Holland die
Gebäude der Schule saniert, nicht jedoch der Computerraum und dessen
Energieversorgung.

Die Sukuta Upper Basisc School in der Nachbarschaft der SLBS
wurde weitgehend von einer der Stiftung in Moormeland (Ostfriesland) aufgebaut
und auch jetzt noch unterstützt. 

Kooperation mit der HS Emden / Leer

Kooperation mit der HS Emden / Leer

Phase 1: Konzeptentwicklung

Delegation der HS Emden/Leer

Im Rahmen eines Hochschulprojektes mit Studierenden der Hochschule Emden-Leer (HSEL) wurde ein Konzept entwickelt, die Energieversorgung des Computerraumes über Photovoltaik und Akkus sicher zu stellen und einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Zur Realisierung soll vor Ort ein Netzwerk verschiedener Akteure aufgebaut werden, die mit Unterstützung aus Deutschland das Konzept realisieren können und auch später den Betrieb / die Systemwartung aufrechterhalten können.

Das Projekt wird von der HSEL im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiativen der Hochschule mit Studierenden in Kooperation mit der GSCE (Jörg Nagels) durchgeführt. Die Hochschule (HSEL) ist eine Fairtrade HS, die Stadt Emden eine Fairtrade Stadt, so dass das Projekt auch in die globale Zielsetzung von Stadt und Hochschule passt. 

Die Zielsetzung des Projektes tangiert folgende Sustainable Development Goals (SDGs) der UN:

  • Bildung (SDG 4)
  • Nachhaltige Energie (SDG 7)
  • Innovation und Nachhaltige Infrastruktur (SDG 9)
  • Klimaschutz (SDG 13)
  • globale Partnerschaften (SDG 17).

Nr. 4: Bildung für Alle

Nr. 7: Nachhaltige Energie

Nr. 9: Nachhaltige Infrastruktur

Nr. 13: Klimawandel bekämpfen​

Nr. 17: globale Partnerschaften

Durchführung - Exkursion

Es wurde ein Team mit Studierenden der HSEL gebildet, das auch von dem Ansprechpartner der GSCE mit betreut wurde. Eine Gruppe aus dem Team des Projektes wurde zur SLBS geschickt, um vor Ort zu ergründen, wie ein solches Konzept realisiert werden kann, und wer die Partner sein könnten (Installation und Wartung). Danach wurde eine technische Lösung für die Energieversorgung über Photovoltaik erarbeitet und die logistische Vorgehensweise zur Umsetzung des Projektes vor Ort beschrieben. Das Projektteam erstellte dann einen Kostenplan und einen Plan zur Durchführung.

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Begrüßungsfeier mit dem Mothers Club

Ergebnisse

Um den Computerraum mit der aktuellen (Stand 2020) Austattung mit Solarenergie zu betreiben, würde eine extrem große und damit kostspielige Solaranlage nötig werden.

Daher soll der Computerraum mit neuen kostengünstigen Computern ausgestattet werden. Die genaue Auswahl erfolgt in einem neuen Hochschulprojekt.

Wir konnten zahlreiche Kooperationspartner gewinnen, die uns Absichtserklärungen und schriftliche Zusagen ausstellten.

  • SLBS
  • Mothers Club
  • MRC
  • GTTI

Abgeschlossen

Phase 2: Gründung eines Fördervereins

Da die Hochschule Emden / Leer die PV-Anlage in Gambia nicht finanzieren darf, wurde ein Förderverein gegründet (NEOW: Nachhaltige Entwicklung in Ostfriesland und der Welt).

Um den Verein auch für die Umsetzung anderer Projekte im Rahmen der Zielsetzung der SDGs nutzen sollte, wurde die Satzung entsprechend umfassend formuliert.

Zur Vereinsgründung konnten wir einige Hochschulmitglider sowie externe Interessenten gewinnen.

 

Abgeschlossen

Phase 3: Musterinstallation & Fundraising

Im Rahmen von zwei weiteren Hochschulprojekten wurde zum einen eine Fundraising Kampagne zum Sammeln von Spendengeldern erarbeitet. Zum Anderen wurden zwei Musterinstallationen entwickelt um die Nutzung der ausgewählten neuen Hardware zu testen.

Hauptkriterium für die neuen Computer war der Energieverbrauch. Heutzutage gibt es eine Reihe von sehr Stromsparenden EinplatinenComputern (System on a Chip SoC). Wir haben uns für den RaspberryPi entschieden. Ein weiterer Vorteil ist das kostenfreie Betriebssystem Linux.

Derzeit befinden sich die beiden Muster im Feldeinsatz in zwei Familien.

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Musterinstallation

In Arbeit

Ausblick

Zur Ertüchtigung der Kommunikationsfähigkeit und der Ausbildung an der SLBS sollen die alten Computer ersetz werden und eine Energieversorgung über PV Analgen und Batteriepufferung realisiert werden.

Für die PV-Anlage und die Installation vor Ort sind etwa  € 20.000,- anzusetzen, für die Erneuerung der Computer ca. 10.000,-€.

Zum Ausgleich der durch die Reiseverursachten CO² Emissionen sollen ausgeglichen werden. 

Für die Finanzierung werden derzeit Fördergelder gesammelt.

Jede Hilfe zählt!

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Pressestimmen